Niederländisch

Das Fach Niederländisch wird als neueinsetzende Fremdsprache als vierstündiger Kurs ab der Einführungsphase angeboten und ist in der Qualifikationsphase als drittes sowie viertes Abiturfach wählbar.

Der Unterricht erfolgt in niederländischer Sprache. Die kurzzeitige Verwendung der deutschen Sprache ist vor allem zu Beginn des Spracherwerbs möglich, wird jedoch mit voranschreitender Lernprogression reduziert.

Der Unterricht im Fach Niederländisch soll neben dem schriftlichen Ausdrucksvermögen in besonderem Maße auch den mündlichen Sprachgebrauch fördern. Hierzu werden häufig Lernarrangements verwandt, die zu hohen Sprechanteilen möglichst aller Schülerinnen und Schüler führen. Diese werden eingebettet in möglichst authentische und realitätsnahe Kommunikationssituationen.

Neben dem eigentlichen Spracherwerb bietet der Niederländisch-Unterricht die Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit den besonderen kulturellen Eigenschaften unseres Nachbarlandes.

Inhalte und Ziele des Unterrichtes

Einführungsphase:

Das erste Jahr des Niederländisch-Unterrichtes ist dem Spracherwerb gewidmet. Innerhalb eines Jahres werden die grammatikalischen und lexikalischen Grundlagen für die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Themen der Qualifikationsphase vermittelt.

Derzeit bildet das Lehrbuch „Taal vitaal“ die Basis für den Unterricht. Das Lehrbuch wird von der Schule gestellt, das Arbeitsbuch jedoch muss von den Schülern angeschafft werden. Ergänzend zum Lehrwerk werden authentische Materialien im Unterricht eingesetzt.

Die Themen der EF orientieren sich am alltäglichen Sprachgebrauch. Es werden Themen wie Familie und Freunde, Freizeit und Urlaub oder Essen und Trinken behandelt.

Am Ende des ersten Lernjahres sind die Schüler in der Lage, einfache Gespräche in der Fremdsprache zu führen und beispielsweise ihren „Kibbeling“ auf dem Markt in Enschede auf Niederländisch zu bestellen. Zudem können sie bereits längere Texte, wie z.B. einen Brief/eine Email über ihre letzte Urlaubsreise an ihren fiktiven Brieffreund in den Niederlanden, formulieren und einfache Erörterungen schriftlich darlegen.

Qualifikationsphase:

In der Qualifikationsphase verschiebt sich der Schwerpunkt weg vom reinen Erlernen der sprachlichen und grammatikalischen Grundlagen hin zur vertieften Auseinandersetzung mit interkulturellen Inhalten. Es werden verschiedene Themen, die die kulturelle und regionale Identität der Niederlande und Belgiens prägen, behandelt. Zudem tritt Niederländisch als Unterrichtssprache zunehmend in den Vordergrund und es wird stärker analytisch gearbeitet.

Folgende Themen stehen hierbei zentral:

  • Jugendliche in den Niederlanden

Das Erwachsenwerden stellt Jugendliche in allen Ländern gleichermaßen vor große Herausforderungen. Pubertät, die Konflikte mit den Eltern, die eigene Zukunftsplanung sowie die Konfrontation mit den Ansprüchen der Gesellschaft führt häufig zu Unsicherheit, Konflikten und Rebellion. Die im Rahmen dieser Unterrichtssequenz erarbeiteten Themen unterscheiden sich folglich nicht stark von den Themen, die deutsche Jugendliche beschäftigen. Daher eignet es sich in besonderem Maße um den Schülern einen sanften Einstieg in die thematische Arbeit in der Qualifikationsphase zu ermöglichen.

Die thematischen Schwerpunkte bilden das Thema „Erziehung“, „Freundschaften“, „Mobbing“, „social media“ und „das digitale ich“. Die Sequenz zum Thema „Mobbing“ schließt mit der mündlichen Kommunikationsprüfung ab (siehe Klausuren).

  • Die Niederlande als tolerantes Land? Koloniale Vergangenheit und Migration

Die Niederlande galten lange Zeit als Musterbild für Toleranz und Integration. Jedoch hat sich dieses Bild seit dem Jahr 2004 stark verschoben und es wird immer deutlicher, dass in der Vergangenheit hinsichtlich des Umganges mit Migranten und Bewohnern der ehemaligen Kolonien Fehler gemacht wurden.

Die Schüler nähern sich diesem spannenden Thema aus verschiedenen Blickwinkeln. Einerseits werden die historischen Fakten hinsichtlich der Kolonialzeit oder des Integrationsgesetzes betrachtet. Andererseits stehen aber auch die gesellschaftlichen Folgen vergangener Entscheidungen zentral. Es werden verschiedene gesellschaftliche Fragen und Probleme analysiert und kritisch diskutiert. Beispiele hierfür sind:

  • Wie soll man heutzutage mit der kolonialen Vergangenheit umgehen?
  • Welche Rolle spielt der Rechtpopulismus in den Niederlanden?
  • Welchen Wahrheitsgehalt haben die Aussagen von Geert Wilders und welche Folgen haben seine Äußerungen für die niederländische Gesellschaft?
  • Die Niederlande während des Zweiten Weltkrieges

Jedes Jahr wird in den Niederlanden am 4. Mai die Befreiung von der deutschen Besatzungsmacht gefeiert und am 5. Mai den Opfern des Zweiten Weltkrieges gedacht. Dies zeigt sehr deutlich, welchen Stellenwert der Zweite Weltkrieg auch heutzutage noch hat.

Die Schüler lernen den Zweiten Weltkrieg im Rahmen dieser Unterrichtseinheit von einer neuen Seite kennen: Sie sehen, was die Deutsche Besatzung in den Niederlanden angerichtet hat und wie die Niederländer auf die neuen Machtverhältnisse nach dem Einmarsch am 10. Mai 1940 reagiert haben. Den Schwerpunkt der Sequenz bilden persönliche Geschichten von Widerstandskämpfern, Kollaborateuren und Juden, anhand derer die Lebensbedingungen und Entscheidungen während des zweiten Weltkrieges deutlich werden.

  • Beziehung der Nachbarländer Deutschland und Niederlande

Der Zweite Weltkrieg hatte drastische Auswirkungen auf die Beziehung zwischen den beiden Nachbarländern Deutschland und den Niederlanden. Dies erfahren die Schüler, wenn sie sich mit Studien über die Beziehung der Länder auseinandersetzen oder niederländische Karikaturen, die deren Deutschlandbild zeigen, analysieren. Aber auch die Entwicklung und Verbesserung der binationalen Beziehungen werden im Unterricht thematisiert, indem bestehende Projekte (Euregio) betrachtet und eigene Ideen erarbeitet werden.

  • Die Niederlande und das Wasser

Wenn der Klimawandel sich weiter verstärkt, dann hat Deutschland bald im Westen eine neue Küste. Das wird zu mindestens sehr plakativ von einigen Deutschen behauptet. Welchen Wahrheitsgehalt diese Aussage hat, das entdecken die Schüler in der Q2. Sie analysieren Karten- und Datenmaterial zur Lage der Niederlande sowie den Folgen des Klimawandels, beschäftigen sich mit der Überschwemmungskatastrophe von 1953 und lernen den Innovationsreichtum der Niederlande im Zusammenhang mit dem Schutz vor zukünftigen Überschwemmungen kennen.

  • Belgien: ein Land mit drei Sprachen

Bei der Beschäftigung mit der niederländischen Sprache darf natürlich Belgien nicht fehlen. In diesem Land wird nämlich nicht nur französisch und deutsch sondern auch niederländisch gesprochen. Ein Land mit drei Sprachen – da sind Konflikte vorprogrammiert. Die Ursachen für die schwelenden Konflikte vor allem zwischen der französischen und niederländischen Sprachgemeinschaft werden von den Schülern in den Blick genommen und die Frage nach der Belgischen Identität aus verschiedenen Blickwinkeln erörtert. Es werden Ideen entwickelt, wie man die belgischen Konflikte auflösen könnte und der Frage nachgegangen, ob Belgien als Staat überhaupt eine Zukunft hat.

 Medien und Kommunikation

In der heutigen Gesellschaft spielen Medien eine große Rolle. Dies gilt für Deutschland ebenso wie für unsere Nachbarn im Westen. Folglich ist es eine der Aufgaben von Unterricht im Allgemeinen, die Schüler im kritischen Umgang mit den modernen Medien zu schulen, so dass sie aufgeklärt mit diesen umgehen. Hierzu leistet der Niederländisch-Unterricht einen Beitrag, indem beispielsweise- eingebettet in die oben genannten Großthemen – die Rolle der sozialen Medien beleuchtet wird (Jugendliche in den Niederlanden), der Aufbau und Inhalt von politischen Reden kritisch analysiert (Migration: politische Aussagen von Geert Wilders) oder die Aussageabsicht von Karikaturisten erörtert wird (Deutsch – Niederländisches Verhältnis: Karikaturen zum Deutschlandbild).

Klausuren

Das Fach Niederländisch ist (wie alle neueinsetzenden Fremdsprachen) schriftlich zu belegen. Es werden pro Halbjahr zwei Klausuren geschrieben. Diese sind in der EF und Q1 zweistündig, in der Qualifikationsphase dreistündig. Die zweite Klausur in der Q1 wird durch eine mündliche Prüfung ersetzt.

Die Klausuren in der EF umfassen die Anwendung der im Unterricht erarbeiteten grammatikalischen Phänomene und des Wortschatzes in Form einfacher Texte, wie beispielsweise eines kurzes Dialogs oder einer Wegbeschreibung.

In der Qualifikationsphase bestehen alle Klausuren aus zwei Prüfungsaufgaben. In einem ersten Prüfungsteil werden die Fähigkeiten der Schüler hinsichtlich der Lese- und Schreibkompetenzen überprüft, indem sie niederländischsprachiges Ausgangsmaterial analysieren und ihre Analyseergebnisse in einem sogenannten Zieltext (bspw.: Brief, Erörterung, Bericht, Artikel…) schriftlich darlegen müssen. Die zweite Teilaufgabe überprüft die Kompetenzen im Bereich des Hörverstehens oder der Sprachmittlung.

Es ist möglich im Fach Niederländisch eine Facharbeit zu erstellen, in der gesellschaftliche, kulturelle oder literarische Themen nach wissenschaftlichen Standards vertieft und eigenständig beleuchtet werden. Diese Facharbeit ersetzt die 1. Klausur des 2. Halbjahres in der Q1 und wird komplett in der Fremdsprache verfasst.

Amsterdam

Einmal im Jahr findet eine eintägige Exkursion nach Amsterdam statt (Q1). Den thematischen Schwerpunkt dieser Fahrt bildet der zweite Weltkrieg. Im Widerstandsmuseum erfahren die Schüler, welche Entscheidungen die Menschen im Zweiten Weltkrieg getroffen haben und welche Folgen der Krieg in den Niederlanden hatte.

Anschließend erhalten die Schüler die Möglichkeit Amsterdam auf eigene Faust zu erkunden.

Sprachzertifikat CnavT

Die Fachschaft Niederländisch bietet den Schülern die Möglichkeit zur Teilnahme an den Prüfungen für das CnavT. Hierbei handelt es sich um ein offizielles Sprachzertifikat, das von vielen niederländischen Universitäten als Aufnahmekriterium verlangt wird. Die Prüfungen werden meist im November abgelegt und anschließend von einer unabhängigen Kommission in Belgien beurteilt.

Interessierte Schüler werden im Spätsommer/Herbst im Rahmen eines Workshops auf die Prüfungsformate vorbereitet. Die Kosten für die Prüfung belaufen sich derzeit auf 75 Euro.