Berlin intensiv

Fünf Tage Berlin-Projekt mit einem intensiven Programm führte die Schüler:innen der Jahrgangstufe EF auf die Spuren des gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Wandels in Deutschland.

In Begleitung von Lars Boesenberg, Ursula Herich, Julia Herrmann und Marius Schmeink verschuf sich die Gruppe zunächst einen ersten Überblick und erkundete die Stadt auf dem Rad. Neben den Gründerzeitbauten im Prenzlauer Berg und dem Regierungsviertel stellte dabei der Berliner Straßenverkehr selbst eine besondere Sehenswürdigkeit dar.

Die Jahrgangsstufe EF vor dem Brandenburger Tor.

Die perfiden Verhörmethoden der Stasi sorgten im ehemaligen Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen immer wieder für die Frage, was Menschen dazu bringen kann, anderen Menschen gegenüber derartige Grausamkeiten zu verüben. Ein Mitarbeiter der Gedenkstätte schilderte, dass es den Häftlingen untersagt war, Fragen zu stellen und forderte die Schüler:innen auf, ihre Fragen immer auch zu artikulieren. „Fragen und Hinterfragen sind wichtige Bedingungen, dass wir weiter in Freiheit leben können“.

In Halbtagsprojekten setzten sich die Schüler:innen am folgenden Tag vertieft mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Themen auseinander. So traf sich eine Gruppe mit dem Leiter der Polizeiwache am Kottbusser Tor und erkundete den bundesweit bekannten Görlitzer Park und diskutierte Lösungsmöglichkeiten des Drogenproblems. Eine andere Gruppe untersuchte, ob Konzepte zur Stadtentwicklung wie der Holzmarkt an der Spree realistische Alternativen zur zukünftigen Gestaltung urbanen Zusammenlebens sein können.

Der folgende Projekttag, wieder in mehreren Teilgruppen zu unterschiedlichen Aspekten, war fordernd und intensiv. So sprach eine Gruppe mit einem Aussteiger aus der rechtsextremen Szene sowie einem Mitarbeiter des Landeskriminalamts Berlin über die Gefahren des Rechtsextremismus, die Wege in die Radikalisierung und Auswege. Eine andere Gruppe untersuchte das Leben in der Neuköllner Sonnenallee und lernte Programme und Strukturen kennen, die integrativ wirken sollen. Eine dritte Gruppe setzte sich mit der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer auseinander und sprach mit einem Zeitzeugen, der unter Lebensgefahr aus Ost- nach West-Berlin geflüchtet ist und anschließend als Fluchthelfer 32 Menschen im Kofferraum aus der DDR bringen konnte. Bei der 33. Flucht, mit seiner eigenen Schwester im Kofferraum versteckt, wurde er gefasst und nach Hohenschönhausen gebracht. Ein Ort, den die Schüler:innen bereits kannten und eine Vorstellung davon hatten, was das bedeutete.

Als außerordentlich interessant stellten die Schüler:innen den am folgenden Tag stattfindenden Besuch der Plenardebatte des Bundestags dar. Es ließ sich sehr deutlich erkennen, wie unterschiedlich die Debattenkultur von den unterschiedlichen Fraktionen wahrgenommen wurde und dass eine Fraktion durch permanente Zwischenrufe und Störgeräusche versuchte, eine konstruktive Debatte unmöglich zu machen. Im folgenden Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Henning Rehbaum wurden diese Eindrücke besprochen und es entstand ein lebhafter Austausch über unterschiedliche politische Themen, bei dem sich die Schüler:innen aufgeweckt und Neugierig zeigten und Rehbaum offen auf die Fragen und Gedanken einging.

Viele der aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen und Krisen konnten in Berlin vor Ort erfahren werden. In einer Zeit, in der die Demokratie herausgefordert ist, sind diese intensiven Begegnungen ein wichtiger Bestandteil der politischen Bildung und der Befähigung zur eigenen Positionierung.