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Laurentianer erkunden Berlin

Posted by Boscher (boscherm) on 02-05-2019
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Das jährlich stattfindende gesellschaftswissenschaftliche „Berlin-Projekt“ führte auch dieses Jahr wieder die gesamte Jahrgangsstufe EF des Laurentianum auf die Spuren des gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Wandels in der Bundeshauptstadt.

Traditionen werden gepflegt, aber auch Bewährtes wird auch immer wieder infrage gestellt und durch neue Ideen ergänzt. Vielleicht lässt sich damit das Programm des inzwischen zum 19. Mal stattfindenden Berlin-Projekts am besten zusammenfassen.

So erkundeten nach Kiezrundgängen durch die ehemaligen Arbeiterviertel Wedding und Prenzlauer Berg sowie einer Stadtrallye durch das kaiserliche Berlin um den Prachtboulevard Unter den Linden erstmals alle Schülerinnen und Schüler die Hauptstadt per Fahrrad. Zu unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten starteten die Gruppen bei bestem Wetter zu ihren Erkundungstouren. Der im Vergleich zu Warendorf doch erkennbar lebendigere Verkehr in der Großstadt stellte dabei für manchen Teilnehmer eine sportliche Herausforderung dar.

Verschiedene Aspekte des Nationalsozialismus führten thematisch gebildete Teilgruppen zeitgleich in das Olympiastadion, in die beeindruckende und bedrückende „Topographie des Terrors“, zum Holocaust-Mahnmal sowie zur Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Berliner Bendler-Block, in dessen Innenhof Claus Schenk Graf von Stauffenberg und andere Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 erschossen wurden.

Am selben Tag besuchte der gesamte Jahrgang das ehemalige Stasi-Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen, durch das unter anderem ehemalige Häftlinge führten und von ihrer Haft und der damit verbundenen Folter berichteten. Tief bewegt und erschüttert verließ die nachdenklich gewordene Schülergruppe diesen unmenschlichen Ort.

Fachbezogene Wahlprogramme führten die Schülerinnen und Schüler zu den unterschiedlichsten Orten in Berlin. Unter künstlerischen Gesichtspunkten wurden die Streetart in Kreuzberg genauso untersucht wie die ehemalige Abhörstation auf dem Teufelsberg, die inzwischen eine Art offene Galerie der Subkultur darstellt. Unter historischen Gesichtspunkten wurde das Leben an der Mauer und der Alltag in der DDR genauso thematisiert wie die wechselvolle Geschichte des Flughafens Tempelhof. Pädagogische Fragestellungen standen im Sozialzentrum „Arche“ in Hellersdorf sowie bei einem Stadtrundgang mit einem ehemaligen Obdachlosen am Bahnhof Zoo im Mittelpunkt. Das Jüdische Museum sowie die christliche Fürsorge der Suppenküche der Franziskaner in Pankow thematisierten die Rolle der Religion im gesellschaftlichen Leben der Metropole. Die Stadtentwicklung in Kreuzberg war ein geographisch geprägtes Thema bei den „Problempunkten“ Kottbusser Tor sowie Görlitzer Park. Auch die Frage, ob der extrem zugenommene Tourismus ein Fluch oder Segen für Berlin darstellt, wurde unter geographischer Fragestellung thematisiert. Die Beeinflussung der Parlamentarier durch Lobbyisten war ebenso ein sozialwissenschaftlicher Schwerpunkt wie ein intensives Gespräch mit einem hochrangigen Aussteiger aus der rechtsextremen Szene sowie Mitarbeitern des Berliner LKA, die sich mit der Bedrohung durch den Rechtsextremismus befassen.

Die Gespräche mit den beiden aus dem Wahlkreis Warendorf stammenden Bundestagsabgeordneten, Reinhold Sendker (CDU) und Bernhard Daldrup (SPD), war für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erkenntnisreich, weil Gemeinsamkeiten und vor allem auch Unterschiede in den politischen Positionen sehr deutlich erkennbar wurden.

Neben einem intensiven inhaltlichen Programm erkundeten die Schülerinnen und Schüler in ihrer Freizeit auf eigene Faust die Hauptstadt, besuchten die gläserne Kuppel des Reichstagsgebäudes über dem abendlichen Berlin, erkundeten das Theaterleben Berlins im Rahmen eines Kulturabends und trafen sich am letzten Abend der Fahrt auf Pizza und Pasta gemeinsam in einem italienischen Restaurant.

Last changed: 03-05-2019 at 12:55:31

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