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Gender-Projekt mit Mindful

Posted by Boscher (boscherm) on 04-05-2016
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Im Jahr 2010 sorgte eine Umfrage, an der knapp 1000 Jugendliche aus Warendorf teilgenommen haben, für Aufsehen. Unter anderem wurde erhoben, wie tolerant die Jugendlichen sind. Ein Ergebnis fiel dabei besonders auf: die Ablehnung gegenüber gleichgeschlechtlich orientierten Menschen. Mit fast 30 Prozent lag dieser Wert im Vergleich zum Bundesdurchschnitt fast doppelt so hoch. Da etwa 5-10% aller Jugendlichen eine gleichgeschlechtliche Orientierung entwickeln, also einer bis drei Schüler pro Klasse, und die sexuelle Orientierung im Jahr 2014 den häufigsten Grund für Diskriminierung unter Jugendlichen darstellt, erscheinen die erhobenen Werte besorgniserregend.

Im Rahmen des Biologieunterrichts wird zwar in der 7. Klasse bereits ein Überblick über mögliche sexuelle Orientierungen gegeben; ältere Schüler wünschten sich jedoch weitere differenziertere Informationen und trugen ihre Wünsche vor.

Von Ende Januar bis Mitte Februar fand deshalb in Kooperation zwischen Mindful Jugendhilfe und der Schule das gender-Projekt im jugend.haus von Mindful statt, an dem ganztägig 8. Klassen teilgenommen haben. Es soll die Schüler auf der einen Seite im Prozess der Identitätsfindung unterstützen und andererseits durch das Aufdecken von Vorurteilen für einen toleranten Umgang miteinander sensibilisieren.

Die Zeit des Heranwachsens ist für alle Jugendlichen ein Lebensabschnitt, der in besonderem Maße krisenbehaftet ist. Für gleichgeschlechtlich orientierte Jugendliche gestaltet sich die Situation besonders schwierig, denn es existieren nur sehr wenige spezialisierte pädagogische Angebote für unterstützungsbedürftige Jugendliche, die sie im schwierigen Prozess des Coming Out unterstützen. Die gleichgeschlechtlich orientierten Jugendlichen erleben im Alltag, dass es normal ist heterosexuell zu sein und müssen trotz möglicher Ausgrenzung und Diskriminierung zu einer selbstbewussten Persönlichkeit heranwachsen. Innerhalb dieses Prozesses fühlen sich die Jugendlichen oft allein, kennen keine anderen homosexuellen Jugendlichen und haben keine Ansprechpartner. Die Akzeptanz von Homosexualität ist in der Gesellschaft zwar in den vergangenen Jahren weit vorangeschritten, auf den Schulhöfen werden schwule oder lesbische Jugendliche dennoch oft diskriminiert.

Den teilnehmenden Schülern wurde in dem Projekt vermittelt, dass es neben der Heterosexualität auch andere, gleichberechtigte Formen der Sexualität gibt und mit verschiedenartigen Lebensentwürfen respektvoll umgegangen werden sollte. Relativ schnell wurde den Schülern bei dem Projekt deutlich, dass es bei nicht heterosexuellen Lebensweisen nicht um abstrakte Prinzipien geht, sondern um das konkrete Leben einzelner Menschen. Wir hoffen, dass es durch die Thematisierung gelingt Jugendliche darin zu unterstützen ihre eigenen Wege in ein gutes Leben zu suchen und zu finden und das Projekt dazu beiträgt, dass auch die Schule ein diskriminierungsfreier Raum ist, in dem alle Schüler ihren Platz finden und sich wohlfühlen.

Die Mindful Jugendhilfe ist durch ihre vielfältigen Angebote im Bereich Jugendarbeit sehr vielen Jugendlichen gut bekannt und darüber hinaus Partner des Gymnasium Laurentianum im Rahmen der Aktion „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Die gemeinnützige Gesellschaft bietet seit der Eröffnung des jugend.haus Warendorf im November 2014 eine monatlich stattfindende Jugendgruppe, Elternberatung und Projekte für Schulen zum Thema „Sexuelle Orientierung“ an [näheres unter: www.mindful-jugendhilfe.de].

Last changed: 09-05-2016 at 09:06:31

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