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Exkursion nach Buchenwald, Weimar und Erfurt

Posted by Boscher (boscherm) on 03-07-2016
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Exkursion nach Buchenwald und Weimar: Laurentianer setzten sich mit den Widersprüchen der deutschen Geschichte auseinander

Eine Gruppe von 46 Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 9 des Gymnasium Laurentianum startete am vergangenen Freitagmorgen in Begleitung von Lars Boesenberg, Tobias Franke und Janne Piehl zu einer zweitägigen Exkursion nach Buchenwald und Weimar, die aufwühlend war und nachdenklich machte.

Zunächst ging die Fahrt von Warendorf direkt zum ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald, das auf dem nur acht Kilometer von den Toren Weimars liegenden Ettersberg liegt. Eine bewegende Filmdokumentation, in der Zeitzeugen vom Lageralltag berichteten, verschaffte tiefe Eindrücke und stimmte auf die kommende Erkundung des Lagergeländes ein. In den folgenden zwei Stunden erkundeten die Schüler das Lagergelände. In zwei Gruppen und geleitet durch die Geschichtslehrer Tobias Franke und Lars Boesenberg sowie die Begleiterin Janne Piehl besichtigten sie das Lagertor mit seinen Arrestzellen, die Häftlingskantine, in der ein vereitelter Ausbruchsversuch vorbereitet wurde, oder den Block 46, in dem Menschenversuche durch SS-Ärzte durchgeführt wurden. Besonders emotional war der Aufenthalt im Lagerkrematorium, das Angehörigen bis heute als Trauerort dient. Fassungslosigkeit erzeugte auch der SS-Zoo unmittelbar außerhalb des Konzentrationslagers. Während Menschen gequält und ermordet wurden, sorgte sich der Lagerkommandant um das Wohlergehen der Zootiere und befahl, dass „alles unterlassen wird, was den Tieren nicht zuträglich oder gar schädlich ist und sie in ihren Gewohnheiten beeinträchtigen könnte“. Dieser Widerspruch war Gegenstand einer intensiven und lebhaften Diskussion, die ein Schüler auf den Punkt brachte: „Was ist mit den SS-Leuten passiert, dass Tiere bei ihnen Rechte hatten, Menschen aber nicht?“

Nach diesen aufwühlenden Erlebnissen bot die atemberaubende Altstadt Erfurts (s. Bild) mit dem Ensemble des Dombergs und den mittelalterlichen Bauten einen erholsamen Kontrast und die nötige Entspannung.

Der folgende Samstag bot ein thematisches Kontrastprogramm. Auf den Spuren Goethes erhielten die Schüler in Weimar Eindrücke der kulturellen Blütezeit der „Weimarer Klassik“. Die Anna-Amalia-Bibliothek, Goethes Gartenhaus und Goethes Wohnhaus am Frauenplan standen auf dem Programm und schafften atmosphärische Eindrücke der Goethezeit.

Der Kontrast zwischen dem ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald und der nur wenige Kilometer entfernt liegenden „Kulturhauptstadt“ Weimar provozierte die Schüler, sich mit den Fragen auseinander zu setzen, wann und warum Menschen in der Lage sind, Unmenschliches zu tun, und wie eine extreme Unkultur im Umfeld höchster Kultur möglich sein konnte. „Wenn wir das hier sehen, ist es noch unfassbarer, dass acht Kilometer weiter Buchenwald liegt“, konstatierte ein Schüler in Goethes Garten. 

Last changed: 30-06-2016 at 18:13:34

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