Gewalt- und Suchtprävention

Eine Schülergruppe in SaerbeckPrimäre Suchtprävention in der Schule kann erfolgreich sein, wenn sie frühzeitig, kontinuierlich und langfristig durchgeführt wird. Suchtvorbeugung ist darum auch nicht als eine einmalige Intervention oder als Anleitung zu einer Übung zu begreifen, sondern als roter Faden, der sich durch die gesamte Pädagogik zieht.
Eine erfolgreiche, altersspezifisch ausgerichtete Prävention in der Schule darf sich nicht beschränken auf die Vermittlung von Fakten über Drogen in unterschiedlichen Fächern (Drogencurricula). Emotionale Aspekte des Drogenmissbrauchs sind bei der Behandlung des Drogenproblems nicht auszuschließen. Prävention von Drogenmissbrauch beginnt deshalb dort, wo auf Bedingungen Einfluss genommen wird, die u. U. zum Missbrauchsverhalten führen können. Geeignet sind alle Maßnahmen, die das pädagogische Klima positiv gestalten: z.B. „Gestaltung der Schule als Lebensraum“ und „Schülerorientierte Unterrichtspraxis“.


Suchtvorbeugung im Unterricht sollte

  • die Schüler an ihrem Standort ‚abholen‘, d. h. auf ihre Befindlichkeiten und Vorkenntnisse eingehen,
  • sie an der Gestaltung des Unterrichts weitgehend beteiligen,
  • ein kommunikatives Unterrichtsklima unter den Schülern und zwischen Schülern und Lehrern schaffen und fördern,
  • Schülerselbsterfahrungen nutzen und begünstigen,
  • außerschulische Lern- und Erfahrungsorte integrieren,
  • über das Thema Sucht und Drogen hinaus auch zentrale Lebensfragen wie Liebe, Sexualität, Freundschaft, Vertrauen, Selbstständigkeit, Freiheit etc. thematisieren,
  • suchtgefährdete Strukturen der unmittelbaren Umgebung, auch der Schule, nicht aussparen,
  • Sinnfindungs- und Wertorientierungshilfen in unaufdringlicher Weise ansprechen und anbieten,
  • sich selbst als Lehrer auf kritische Fragen, auf Selbsterfahrung, auf das Lernen und Korrigieren mit den Schülern einlassen,
  • stets handlungsorientiert und in der Kommunikation mit anderen Lehrkräften, mit Eltern und außerschulischen Beratern zusammenarbeiten“ (D. Bäuerle, S. 98f)

Alle Schüler erhalten im Laufe der Sek. I die Möglichkeit, grundlegende Kenntnisse über das Thema Drogen und Drogenmissbrauch zu erwerben. Didaktisch aufbereitet wird die Thematik in verschiedenen Fächern wie Biologie, Religion, Deutsch und Politik, jeweils aus unterschiedlichen Blickwinkeln vermittelt, so dass die Schüler die Vielschichtigkeit der Problematik erkennen können. Besonders in der Jahrgangsstufe 8 bietet sich eine Kooperation der Fächer Politik (Thema: Jugendkriminalität/Drogenmissbrauch), Religion (Thema: Verantwortung für das eigene Leben/Glück) und Deutsch (Lesen einer Ganzschrift zum Thema) an. Über den Besuch einer Gerichtsverhandlung beim Amtsgericht (Fall: Suchtmittelmissbrauch) und Expertenbefragungen (Einladung eines Vertreters des Kriminalkommissariats Vorbeugung der Kreispolizeibehörde in WAF und von Vertretern der AA...) wird eine Öffnung des Unterrichts erreicht und schülerorientierter Unterricht ermöglicht.

Auch außerhalb des konkreten unterrichtlichen Zusammenhangs werden regelmäßig Möglichkeiten wahrgenommen, mit außerschulischen Partnern zu kooperieren: Verschiedene Schülergruppen des Laurentianum konnten an Theateraufführungen im Rahmen der Suchtwoche (Veranstalter u.a. Jugendamt der Stadt, Drogenberatungsstelle Ahlen) und der Anti-Gewalt-Woche in Warendorf teilnehmen; die Jahrgangsstufe 11 informierte sich in Podiumsgesprächen mit ehemaligen Drogenabhängigen über die komplexen Probleme des Drogenmissbrauchs. Regelmäßig besuchten in den letzten Jahren Schülergruppen die Theateraufführungen im Westfälischen Zentrum für Psychiatrie in Lippstadt-Eickelborn, wobei besonders die an die Aufführung sich anschließenden Gespräche mit den einsitzenden drogenabhängigen „Schauspielern“ über die persönlichen Suchtkarrieren beeindruckten und neben kognitiven auch psychosoziale und moralische Lernprozesse initiierten.

Als primärpräventive Maßnahmen sind z. B. auch die SV-Aktionen „Weihnachtliche Gestaltung der Klassenzimmer“, die auch von der Fachschaft Kunst gestützt wird, und „Chaostag“ für die Klassen 5 zu sehen.

Seit dem Schuljahr 2000/01 nehmen regelmäßig verschiedene Klassen der Jahrgangsstufen 6 – 8 am Wettbewerb „Be Smart – Don’t Start“ teil, der das Ziel hat, den Einstieg in das Rauchen zu verhindern. Eine vielfältige Beschäftigung der jeweiligen Klassen mit dem Thema während der Laufzeit des Wettbewerbs kann auch bereits rauchende Schüler zum Aufhören motivieren. Jüngste Untersuchungen über die Relevanz des Rauchens bei immer jüngeren Kindern (Einstiegsalter 12 – 13 Jahre!) bestätigen die Bedeutung dieses Aspekts der Suchtprävention, zumal eine Entscheidung zu rauchen häufig mit einer größeren Bereitschaft zum Konsum von Alkohol u.a. korrespondiert!

Ein zentraler Baustein in der Suchtprävention am Laurentianum ist die Teilnahme der jeweiligen Jahrgangsstufe 8 an der Projektwoche zur Suchtprävention „Lust auf Leben“ in der CAJ-Werkstatt in Saerbeck. Die Arbeit während dieser Tage zielt „darauf ab, Schüler/Schülerinnen in ihrer Persönlichkeit zu stärken, damit sie ihr eigenes Leben selbstbestimmt und eigenverantwortlich (suchtfrei) gestalten können“ (Projektbeschreibung).

Den Schülern, ihren Eltern und den Lehrern der Schule steht auch im Laurentianum ein Berater für Suchtprävention als Ansprechpartner zur Verfügung.

Die Eltern werden zu Veranstaltungen über die Drogenproblematik (veranstaltet z. B. vom Schulamt der Stadt und Drogenberatungsstellen) gezielt eingeladen. Sie haben somit die Möglichkeit, sich auch über spezielle Aspekte der Suchtproblematik im Gespräch mit Experten zu informieren und damit noch begründeter und effektiver aus ihrem Lebens- und Aufgabenbereich heraus ihre Kinder zu stützen und „stark zu machen“.