Erfahrungsberichte

Der 1. Jahrgang im Ganztag oder der Sprung ins kalte Wasser

 

Erfahrungen der Eltern

 

Heute vor einem Jahr standen wir nicht nur vor der Entscheidung, auf welche Schule wir unsere Kinder schicken sollten, sondern auch vor der Wahl zwischen zwei unterschiedlichen Systemen. Wir hatten die Wahl zwischen dem schon bekannten System des offenen Ganztagsbetriebs am Mariengymnasium oder der großen Unbekannten – dem gebundenen Ganztag am Lau.
Nachdem wir uns umfangreich informiert hatten, wagten wir schließlich den Schritt. Dabei war uns bewusst, dass man mit etwas Neuem entweder gewinnen oder verlieren kann. Erfahrungen mit dem gebundenen Ganztag hatte schließlich keiner: die Schule nicht, wir Eltern nicht und unsere Kinder auch nicht.
 Ungewiss war für uns dabei vor allem:
- Wie kommen die Kinder mit den langen Tagen zurecht?
- Wie wird das vorgestellte Wochenarbeitsplanmodell in Kombination mit den Lernzeiten funktionieren?
- Gelingt das Stundenplanmodell mit Doppelstundeneinteilung?
- Werden die Busfahrzeiten für die Kinder außerhalb Warendorfs mit den Stundenplänen abgestimmt ?

In der Praxis stellten wir dann fest, dass unsere Kinder mit den langen Tagen gut zu recht kommen. Natürlich sind sie müde, wenn sie nach Hause kommen – aber auch entspannt und ausgeglichen, da „Schule“ für heute erledigt ist. Kein Stress mehr mit den täglichen Hausaufgaben. Keine Eltern, die versuchen müssen, den Kindern die offenen Fragen zu beantworten und den nicht verstandenen Unterrichtsstoff zu erklären. Allerdings gehören Vokabeln lernen und sich am Wochenende für eine Arbeit vorzubereiten nach wie vor zu den häuslichen Tätigkeiten.
Die Stundenpläne sind strukturiert umgesetzt worden und scheinen auch in der Durchführung einzuhalten zu sein.
Etwas anderes stellen wir sehr schnell fest: Für die Bewältigung der Wochenarbeitspläne benötigen die Kinder viel Selbständigkeit. Aber sie werden sehr schnell selbständiger – der eine früher, der andere benötigt etwas mehr Zeit.
 

Gibt es denn wirklich nur Gutes zu berichten?

Nein, für uns Eltern ist der Ganztag immer noch eine Herausforderung. Zum ersten Mal in der schulischen Laufbahn unserer Kinder haben wir das Gefühl, vom Schulalltag nichts oder nur wenig mitzubekommen. Was lernen unsere Kinder in der Schule gerade? Kommen Sie damit zurecht? Kann mein Kind im Unterricht mithalten? Auch der Blick in den Tornister ist dabei nicht wirklich hilfreich, weil die Unterrichtsmaterialien in der Schule bleiben.
Es sind Absprachen mit den Kindern erforderlich, dass sie regelmäßig das ein oder andere Heft mit nach Hause bringen, damit wir als Eltern mal „reinschauen“ können.
Sorgen bereiteten uns in der Anfangszeit auch die Wochenarbeitspläne. Schafft mein Kind die Aufgaben in der vorgesehenen Zeit? Muss es zuhause den Rest am Wochenende nacharbeiten? Werden die Arbeiten regelmäßig kontrolliert? Auch hier ist unsere Geduld gefragt, denn jedes Kind muss erst einmal das eigenständige Organisieren und Lernen mit dem Wochenarbeitsplan und den Lernzeiten erlernen.
Ein Unterrichtsbesuch der Klassenpflegschaften an einem Tag im Oktober ermöglichte hier einen Einblick in die Wissensvermittlung im Unterricht, und zeigte zudem, wie die pädagogische Umsetzung der neuen Unterrichtsstunden (90 min) und Konzepte praktiziert wird.
Das Essen im Bistro 32 läuft nicht immer optimal. Es schmeckt – den meisten wenigstens. Der organisatorische Ablauf ist aufgrund der räumlichen Enge aber schwierig und stellenweise chaotisch. Die begleitenden Lehrer sorgen dafür, dass unsere Kleinsten nicht unter die Räder kommen. Zurzeit sieht man schon große Fortschritte beim neuen Anbau des Bistros 32. Trotzdem warten wir sehnsüchtig auf das „neue“ Bistro 32, das nach den Weihnachtsferien eröffnet werden soll.
Auch die Problematik mit den Busfahrzeiten für auswärtige Schüler ist bisher noch nicht zufriedenstellend gelöst. Leider haben z.B. unsere 10 Everswinkeler / Alverskirchener – Kinder zurzeit immer noch pro Schultag 0,5 Std. Wartezeit, was 2 Std. verlorene Zeit pro Woche bedeutet. Hier soll hoffentlich seitens der Stadt Warendorf in Absprache mit der Schulleitung des Laurentianums, wie uns versprochen wurde, etwas geschehen.
Für die räumlichen Strukturen in der Schule hoffen wir auf eine baldmögliche Umsetzung der geplanten Umbaumaßnahmenseitens der Stadt Warendorf, damit erst gar kein Platzproblem für nachfolgende Jahrgänge entsteht.
Nach nunmehr rund vier Monaten ist es sicherlich noch viel zu früh für ein umfassendes Fazit. Wir stellen aber fest, dass sich viele Dinge im Laufe der ersten Monate geklärt haben und so der Nebel sich gelichtet hat. Insgesamt sind wir der Überzeugung, mit der Wahl für den gebundenen Ganztag die richtige Entscheidung getroffen zu haben, vor allem im Hinblick auf die verkürzte Gymnasialzeit G8. Das zeigt auch die Tatsache, dass bislang noch kein Elternteil daran gedacht hat, sein Kind wieder aus dem Ganztag herauszunehmen und doch in den offenen Ganztag eines anderen Gymnasiums in der Umgebung zu schicken.
Wir können also mit Überzeugung sagen:

Der Sprung ins kalte Wasser hat sich gelohnt!

Die Klassenpflegschaften der Jahrgangsstufe 5 

                                                                                                         (Stand Dezember 2009)